Eine der bekanntesten Sagen aus Klagenfurt ist das Wörtherseemandl. Der Legende nach hat ein kleines Männchen die übermütigen, lasterhaften und verschwenderischen Bewohner mit seinem Wasserfassl bestraft. Anstatt die mahnenden Worte ernst zu nehmen und Buße zu tun, wurde weiter gefeiert. Die Drohung des kleinen Gastes wurde ignoriert. Da öffnete das Wörtherseemandl das Wasserfassl und das Wasser stieg so schnell, dass die gesamte Stadt samt ihren hochmütigen Bewohnern versank. Aus diesen Wassermassen entstand dann der Wörthersee.
Auch wenn die Sage vor hunderten Jahren geschrieben wurde, kann sie auf die heutigen politischen Verhältnisse in der Landeshauptstadt übertragen werden. Anstatt die Warnungen erst zu nehmen und die Probleme zu lösen, wird gestritten und für das Desaster der politische Mitbewerber verantwortlich gemacht. Die Stadtpolitiker sollten jedoch auf der Hut sein, weil nach der Sage das ausschweifende Fest im Rathaus stattfand und von dort die Überschwemmung ihren Anfang nahm.
Das Wörtherseemandl würde heute die Konsolidierung der Stadtfinanzen, Umsetzung der Einsparungsvorschläge, Gründung einer Holding und Schaffung eines Sondervermögens einfordern.
Zu den einzelnen Punkten:
- Die Landeshauptstadt hat kein Einnahmen- sondern ein Ausgabenproblem. Sowohl bei der Parteienförderung, Anzahl der Mitarbeiter in den politischen Büros oder Zuschüsse an den Flughafen – wohin man schaut offene Baustellen.
- Der Konsolidierungsbeirat hat eine Vielzahl von Vorschlägen ausgearbeitet, die bis heute nicht bzw. nur zu einem geringen Teil umgesetzt wurden. Außer Spesen – Beratungshonorare in sechsstelliger Höhe – nichts gewesen.
- Vor Jahren wurde die Gründung einer Holding empfohlen. Das jährliche Einsparungspotenzial aufgrund der zentralen Erfassung von Aufgaben (Planung, Beschaffung, Projektrealisierung, Personal etc.) wurde mit 7 bis 10 Millionen Euro errechnet. Die Umsetzung scheiterte nur daran, weil die politischen Akteure die Angst hatten, dass sie ihren Einfluss verlieren.
- Und wenn die seit Jahren bekannten Hausaufgaben nun endlich umgesetzt werden würden, könnte die Landeshauptstadt ein Sondervermögen in der Höhe von 100 Millionen Euro finanzieren, mit welchem die Versäumnisse in der Vergangenheit – Sanierung von Straßen, Kindergärten, Schulen etc. – endlich behoben werden könnten.
Die Warnung des Wörtherseemandls sollte ernst genommen werden, denn wenn die Stadtpolitiker weiter so wie bisher agieren, ist mit einem Revival der Sage zu rechnen.